Abschlussbericht: Einsatz in Kapnyeberai vom 8.3.-24.3.2019

Einsatzleistende:

Steffi Schmitt-Langer, Zahnärztin
Carmen Luzens, Zahnarzthelferin
Daniela Jantschek, Zahnärztin
Lu Spohr, Lehrer i.R.
Peter Gröhner, Installateur
Max Jantschek, Beamter
Kenia 2019 Kenia 2019 Kenia 2019 Kenia 2019 Kenia 2019 Kenia 2019 Kenia 2019 Kenia 2019 Kenia 2019 Kenia 2019 Kenia 2019 Kenia 2019 Kenia 2019 Kenia 2019 Kenia 2019 Kenia 2019 Kenia 2019 Kenia 2019 Kenia 2019 Kenia 2019 Kenia 2019

Am 8.3. starten wir endlich nach Kenia. Für mich ist es der 6. Einsatz, Carmen begleitet mich zum 4. Mal. Wir sind diesmal zu sechst unterwegs, zwei Zahnärztinnen, Daniela (sie war schon 2015 als Studentin dabei) mit ihrem Mann und unsere Partner, die uns schon 2017 begleitet haben.

Für jeden konnten wieder zwei große Koffer mit 23 kg und ein Handgepäckkoffer gepackt werden. Wir reisen also mit 12 großen und 6 kleinen Koffern.

Die Vorbereitung ist in inzwischen Routine. Unsere Patienten und Freunde haben uns mit Kleiderspenden, Brillen, kleinen Seifen und Geldspenden unterstützt. Zwei Koffer alleine sind mit Verbrauchsmaterial für die Behandlung voll, dazu kommen 300 Zahnbürsten und 25 kg Zahnpastaproben.

Wir fliegen von München und treffen in Amsterdam Dani und Max. Gemeinsam landen wir am frühen Samstagmorgen in Nairobi. Unser Weiterflug wurde auf nachmittags verschoben, so haben wir noch Zeit für einen Besuch der Babyelefantenaufzuchtstation.

Endlich geht der letzte Flug nach Eldoret, wo uns schon am Flughafen Sr. Judith, die neue Vorsteherin des Konvents, erwartet. Sie ist mit dem Schulbus gekommen, so starten wir problemlos in unser Dorf. Auf dem Weg zum Konvent halten wir noch am Supermarkt, um die nötigsten Dinge zu kaufen. Wir sind gespannt, wie es nach zwei Jahren ohne Sr. Gracia in Kapnyeberai aussieht. Wer von unserer alten „Familie“ wird noch dasein? Der Empfang ist wie immer herzlich, Jackson und die 93jährige Sr. Angela sind geblieben, ansonsten gibt es eine neue Besetzung.

Müde richten wir uns im Gästehaus ein und beenden bald den Tag.

Der Sonntag beginnt 7 Uhr mit dem Gottesdienst, den wir mit knapp 1000 Mädchen der Secondary School feiern. Danach schauen wir in die Zahnstation. Antony, der OHO (Oral Health Officer) ist leider nicht da, so suchen wir nur die Sachen, die wir am Montag für die Schuluntersuchung benötigen. Da erst die Erlaubnis der Eltern zur Behandlung eingeholt werden muss, kann sowieso nur noch untersucht werden. Die Kinder kommen dann zur Behandlung in die Dental Unit.

Der Lunch wird bei den Sisters eingenommen. Wir sprechen mit Sr. Judith die Spendenverteilung ab und telefonieren mit Sr. Gracia und organisieren fürs nächste Wochenende ein Treffen mit unseren Patenkindern.

Montag und Dienstag sind Schuluntersuchungen in 5 Schulen geplant. Es ist alles super organisiert. Wir untersuchen ca. 1200 Kinder. Auch für die Zahnputzunterweisung bleibt genug Zeit. Unglaublich, wie interessiert die Kinder sind, obwohl nur ca. 30% eine Zahnbürste besitzen. Unsere Zahnpastaproben, Zahnbürsten, Luftballons und Tatoos sind kleine Geschenke. Wir sprechen mit den Lehrern die Behandlungstermine ab, und morgen soll es endlich losgehen.

Inzwischen haben wir auch Antony kennengelernt und räumen vorsichtig unsere Sachen in die Station – wir sind Gäste und hoffen auf gute Zusammenarbeit. Carmen beginnt zu putzen, damit die Hygiene wenigstens einigermaßen unseren Anforderungen genügt. Bis Mittwochmittag funktioniert alles, dann streikt die Einheit. Antony weiß auch nicht weiter. Wir telefonieren, und Felix, unser Techniker, muß aus Kisii anreisen – das kann dauern. Wir machen die transportable Einheit mit dem kleinen Kompressor klar und können so überbrücken, bis Felix am nächsten Nachmittag kommt.

HAKUNA MATATA – POLE, POLE (Kein Problem, langsam, langsam) – einfach Afrika.

Felix bringt den Anlasser in Ordnung, erklärt uns allen den Kompressor und Antonie die Bedienung des Röntgengerätes. Es fehlen Entwickler und Fixierer – also kein Röntgen. Wir versuchen, oft mit Antony zusammen zu arbeiten. Er behandelt gleichzeitig die Leute aus dem Dorf.

Die Woche vergeht wie im Flug. Am Freitagabend reist Sr. Gracia an.

Dani hat auch für Samstag einbestellt, aber die Patienten versetzen sie. Wir fahren am Samstag nach Kapsabet, wo unser Patenkind Lilian schon auf uns wartet. Sie durfte aus dem Internat für einen Wochenendbesuch anreisen. Wir sind alle überglücklich über unser Wiedersehen nach fast 2 Jahren. Es werden neue Schuhe gekauft, etwas zu Essen und dann geht's weiter nach Homa Bay an den Viktoriasee ins neue Domizil von Sr. Gracia. Dort treffen wir unsere alten Freunde und besichtigen die Arztstation. Wir sind fassungslos über die Verhältnisse – Tuberkulose, Aids... – alles an der Tagesordnung. Anfang April soll die Geburtsstation eröffnet werden – Bettgestelle und von Ratten zerfressene Matratzen, keine fertige Wasserversorgung und -entsorgung... Täglich kommen 150 Patienten – eine Endlosschleife für die Managerin Sr. Gracia, die wir jetzt seit 2010 kennen und die inzwischen die 3. Station betreut und einrichtet. Gemeinsam ein paar Tränen – aber dann wird schon wieder die Zukunft geplant. Abends fällt der Strom aus, wir essen mit Stirnlampe und danach werden die mitgebrachten Sachen probiert und das Spendengeld für Prisca und Lilian abgerechnet. In Zukunft ist auch Lilian krankenversichert. Es werden Schuluniformen, Bücher, Fahrgeld und Feriengeld finanziert. Dies und mehr ist im Schulgeld nicht enthalten.

Am nächsten Morgen brechen wir ohne Frühstück auf, heute fahren wir mit Lili und Sr.Gracia zu Prisca ins Internat. Das Internat wird sehr streng geführt, Prisca bekommt keinen Ausgang. Die Fahrt erscheint endlos auf afrikanischen Straßen. Am frühen Nachmittag kommen wir endlich verschwitzt und durchgeschüttelt an – es werden uns 20 Minuten Zeit mit Prisca genehmigt. Prisca ist glücklich und wir auch. Es werden Essen, Kekse und Kleinigkeiten in eine Tasche geschmuggelt, die neuen Schuhe gegen die alten getauscht und kurz erzählt. Prisca war krank und 3 Tage im Krankenhaus. Wir machen uns Sorgen, sie ist aber optimistisch und sehr fleißig und ehrgeizig. Sie hat noch knapp 2 Jahre bis zum Abschluss und möchte gerne Medizin studieren. Die Lehrer loben sie sehr. Hoffentlich geht alles gut!

Der Abschied kommt viel zu schnell. Prisca muss in die Klasse zurück. Das nächste Mal müssen wir anders planen und die Schulferien berücksichtigen. Der Heimweg ist stressig. Unterwegs trennen wir uns von Sr. Gracia und Lilian. Lilian weint immer herzzerreißend beim Abschied. Erschöpft und voller Eindrücke kommen wir ins Konvent zurück.

Die 2. Woche beginnt entspannt. Erst 9 Uhr kommen die ersten Patienten. Wir behandeln bis Mittag, am Nachmittag versetzen uns die Patienten.

Dafür startet unsere 1. Spendenaktion. Unsere Männer waren inzwischen mit der Sister im Dorf und haben die ärmsten Familien besucht. Wir haben für 300 Euro Lebensmittelpakete packen lassen mit Öl, Zucker, Reis, Seife... und heute kommen 19 Frauen die Sachen abholen. Sr. Judith hat alles hervorragend organisiert, und die Menschen sind glücklich, aber auch beschämt. Es ist eine gute Aktion.

Der Dienstag ist ein anstrengender Arbeitstag. Wir arbeiten von 8.00 bis 17.00 Uhr mit nur kurzer Pause. Am Mittwoch untersuchen wir noch eine Klasse unserer Secondary School und behandeln die Mädels. Es gibt viel zu tun, mehrere Füllungen und Extraktionen von bleibenden Zähnen bei einer Patientin sind normal. So geht die Woche weiter.

Freitag ist ein besonderer Tag. Da kommen die jungen Mütter mit ihren Babys und Kleinkindern in die Arztstation zur Kontrolle. Es hat sich wieder herumgesprochen, dass Kinderbekleidung verteilt wird, und Carmen und die Krankenschwester haben alle Hände voll zu tun. Außerdem startet unsere 2. Spendenaktion.

Wir haben 15 der bedürftigsten Kinder auswählen lassen und diese bekommen komplette neue Schuluniformen. Für 450 Euro wurden die Sachen besorgt und die Kinder werden neu eingekleidet. Die Fotos vorher und nachher sagen viel. HERZLICHEN DANK FÜR DIE SPENDEN UND DIE ORGANISATION!

50 Schulrucksäcke werden auf mehrere Schulen verteilt (250 Euro) und dazu noch Stifte.

Am Nachmittag läuft die 3. große Aktion.

Für eine Schule haben wir für 300 Euro 5 Tische und Stühle für die Lehrer beim Tischler bauen lassen. Die sind heute fertiggeworden und werden von Schülern und unseren Männern abgeholt und zur Schule getragen. Es geht knapp 5 km über Stock und Stein. Als wir nach der Behandlung nachkommen, gibt es eine riesige Celebration mit Tanz und Gesang und dann die Übergabe. Wie nötig die Schule es hat, zeigen die Fotos.

Am Abend bedanken wir uns bei den Sisters. Heute kocht Max, und es gibt Pizza. Wir essen im Konvent und sitzen noch eine Weile zusammen.

Samstag ist unser letzter Arbeitstag. Die Schüler stehen schon 8.30 Uhr vor der Tür und 9.00 Uhr kommt Antony dazu. Wir arbeiten gemeinsam. Am Mittag machen wir Schluss und räumen die Praxis auf. Sie ist jetzt wieder sauber und schön, wir hoffen, Antony hat zugeschaut. Das übrige Material übergeben wir Sr. Judith. Wir verabschieden uns von Antony, der das Wochenende wohl zu seiner Familie fährt.

Inzwischen füllt Lu die Schullisten fertig aus und macht die Abrechnung, die wir mit nach Deutschland nehmen werden. Die Organisation zahlt die Behandlung der Schüler und Lehrer. Mit diesem Geld soll die Zahnstation unterhalten werden. Der Weg zur Selbstständigkeit wird damit unterstützt. Antony soll dort täglich seinen Beitrag leisten.

Wir haben ca. 2350 Euro erarbeitet, für eine Füllung gibt es 7 Euro, eine Milchzahnex bringt 3 Euro und ein bleibender Zahn wird für 4 Euro gezogen.

Am Abend gibt es noch ein Abschiedsessen für das ganze Personal, das uns die 2 Wochen so hervorragend versorgt hat.

Der Abschied am nächsten Morgen fällt wie immer schwer. Wir versprechen bald wieder zu kommen. Sr. Judith begleitet uns noch bis zur Grenze nach Uganda, wo wir für 5 Tage Urlaub bei den Schimpansen und Gorillas machen.

Es waren wieder 3 intensive Wochen mit vielen Begegnungen und Erlebnissen, die uns unvergessen bleiben. Die Fröhlichkeit und Herzlichkeit der Kenianer ist ein echtes Geschenk – Immer wieder.

Ein herzliches DANKESCHÖN an alle, die uns unterstützt haben: mein tolles Praxisteam zu Hause, unsere Patienten, Freunde, Dr. Ute Gürtler, die uns ihre Spenden anvertraut hat, den Firmen für ihre Materialspenden und natürlich den Kenianern, ohne deren Hilfe vieles nicht möglich gewesen wäre.