Abschlußbericht: Einsatz in Kapnyeberai vom 2.6. - 23.6.2017

Einsatzleistende:

Steffi Schmitt-Langer Zahnärztin Tel.: 0751-21133
Carmen Luzens ZAH
Lu Spohr Lehrer
Peter Gröhner Installateur
Kenia 2017 Kenia 2017 Kenia 2017 Kenia 2017 Kenia 2017 Kenia 2017 Kenia 2017 Kenia 2017 Kenia 2017 Kenia 2017 Kenia 2017 Kenia 2017 Kenia 2017 Kenia 2017 Kenia 2017 Kenia 2017 Kenia 2017 Kenia 2017 Kenia 2017 Kenia 2017 Kenia 2017 Kenia 2017 Kenia 2017 Kenia 2017 Kenia 2017 Kenia 2017 Kenia 2017 Kenia 2017 Kenia 2017 Kenia 2017 Kenia 2017 Kenia 2017 Kenia 2017 Kenia 2017 Kenia 2017

Endlich waren alle Hindernisse überwunden, die seit letztem Jahr geforderte Arbeitserlaubnis war genehmigt, und wir konnten unsere 5. Keniareise planen. Da in diesem Sommer Wahlen in Kenia stattfinden, damit verbunden ein Einreisestop, nutzten wir die Pfingstferien und schlossen die Praxis eine Woche zusätzlich.

Diesmal wurden Carmen und ich von unseren Partnern begleitet. Sie waren mit bei den Mitgliederversammlungen und sind inzwischen auch begeistert von den Ideen und Zielen von „Dentists for Africa“.

Als „alte Profis“ wählten wir eine Airline , die 2x23kg Freigepäck plus Handgepäck pro Person erlaubt. Ein Spendenaufruf in der Praxis und Spenden von Freunden reichten mehr als gut aus, um 5 Koffer mit Kinderbekleidung, kleinen Spielsachen, Brillen, Seifen und anderen Kosmetika zu füllen – der Rest wird für die nächste Reise aufgehoben und auch an Flüchtlingsheime weitergegeben.3 Koffer wurden mit Material zum Arbeiten in der Dental Unit gefüllt, darunter auch Firmenspenden, z.B. Bohrer und Composite. 400 Zahnbürsten und kleine Zahnpastaproben passten auch noch hinein – ein herzliches Dankeschön allen Spendern.

Unsere treue Mitarbeiterin Waldi lud am 02.06. alle Koffer und uns in ihren VW-Bus und brachte uns zum Flughafen nach München. Von dort flogen wir über Kairo nach Nairobi, wo uns der Zahnarzt Francis, mit dem wir schon 2015 gearbeitet hatten, am Flughafen erwartete. 5 Koffer wurden mit dem Matatu nach Kapnyeberai geschickt, mit dem Rest ging`s per Inlandflug nach Eldoret.



Gegen 7.00 Uhr kamen wir müde an, aber Sr. Gracia und Jackson erwarteten uns schon. Das Wiedersehen nach 2 Jahren war wunderbar – Zurückkehren in ein zweites Zuhause! Auf dem Weg zur Station wird noch eingekauft, nötige Dinge wie Trinkwasser, Kaffee, Toast, Margarine, dazu vom Markt Obst und Gemüse. Auch der Vorrat Grundnahrungsmitteln wie Öl zum Kochen, Reis, Zucker, Milch usw. wird aufgefüllt.

Im Konvent dürfen wir das neue Gästehaus beziehen – welch ein Luxus: 2 Waschräume mit Dusche und Toilette, 3 Gästezimmer und ein riesiges Wohnzimmer! So vornehm hatten wir es noch nie. Unsere Männer staunen.

Bekannte Gesichter – und auch unsere Hündin mit 2 Welpen ist da – pure Wiedersehensfreude! Es gibt Kaffee und Mandasi, wir haben sogar noch Zeit für einen ersten Spaziergang. Die Landschaft ist wunderschön, wir sind hier im Hochland auf über 2000 m , wir kommen durch Teeplantagen, Mais- und Gemüsefelder. Die Menschen leben vorwiegend von Landwirtschaft.

Sofort sind wir wieder von einer Kinderschar umringt, die uns begleitet. In Afrika bist du nie allein – für unsere Männer eine neue Erfahrung.

Abends müssen wir feststellen, dass wir einen Koffer vergessen haben – Hilfe!! Ausgerechnet den mit den Arbeitsmaterialien und unserer Kosmetik. Gut, dass Francis noch in Nairobi ist, er bringt ihn am Montag mit.



Am Pfingstsonntag heißt es dann früh aufstehen, um 7.00 Uhr ist Gottesdienst, also raus aus den bequemen Betten. Doch dann lesen wir Sr. Gracias Handymitteilung: der Gottesdienst ist erst um 10.00 Uhr! So darf ich vorher noch im Hochland joggen, treffe die Supermarathonläufer beim Training, und wir können vor dem Gottesdienst frühstücken.

Etwa 900 Schülerinnen der Secondaryschool gestalten den Gottesdienst – sie singen und tanzen und feiern mit einer Freude, dass wir anschließend richtig glücklich die Kirche verlassen, Carmen und ich bereiten noch die Praxis für den Montag vor. Francis kommt wegen unseres Koffers erst am Montagabend, deshalb werden am Morgen die Kinder einer Primaryschool in Lessos erwartet, die Zahnschmerzen haben.

So geht es montags auch gleich richtig los. Nach einigen Patienten aus dem Dorf kommen etwa 15 Schulkinder. Wir untersuchen und behandeln.

Die Kinder kommen zu Fuß die etwa 8 km zur Dental Unit, warten, bis alle behandelt sind und gehen dann wieder gemeinsam zur Schule zurück. Ein Lehrer ist zur Aufsicht mit dabei. Die meisten hatten kein Frühstück – und Lunch fällt dann auch noch aus. Trotzdem wird diszipliniert gewartet. Alle suchen sich als Geschenk eine Zahnbürste und Zahncreme aus.

Am Nachmittag geht`s nochmal zum Einkaufen, nun wissen wir auch, was in der Praxis noch fehlt (Küchenrollen, Putzmittel…). Lu und ich bekommen richtige Zahnbürsten, wir wissen ja noch nicht, ob der Koffer mit den 200 großen kommt.

Abends bekommen wir Besuch von unseren kenianischen Freundinnen zum Kniffeln und Erzählen.

In der Nacht ist Francis angereist – mit dem fehlenden Koffer – hurra! Drinnen eigene Hebel, Spritzen, Zahnbürsten und Sachen für unsere Patenkinder. Francis arbeitet in der Dental Unit, wir fahren zur Schule nach Lessos mit etwa 900 Schülern.

Gracia übernimmt die Zahnputzunterweisung der Klassen – es ist jedes Mal ein Schauspiel, ihr zuzuschauen, wie sie die Kinder fesselt und begeistert.

Dann starten wir mit der Untersuchung der Klassen 5-8. Es ist alles super organisiert, unsere Männer helfen beim Schreiben und Kopf halten, alle haben vollauf zu tun. Danach werden auch gleich die kaputten Milchzähne gezogen.
So ist der Tag schnell vorbei.

Am Mittwoch ist es dann endlich soweit – Francis und ich können zusammen arbeiten. Darauf habe ich mich richtig gefreut, denn das hatten wir ja schon 2015 mit Erfolg getan. Er hat sein Studium zum Oral Health Officer abgeschlossen, ein einjähriges Praktikum in Nairobi absolviert und arbeitet jetzt selbständig in der Dental Unit. Wir wechseln uns bei Behandlung und Assistenz ab und Carmen sorgt für die Reinigung, Desinfektion und Sterilisation. Wir sind ein gutes und effektives Team, es macht allen richtig Spaß. Von Francis sind wir alle begeistert. Er arbeitet sehr gründlich, vorsichtig und geht ausgesprochen nett mit den Kindern um. So werden auch unsere Sprachprobleme überbrückt, aber für die Behandlung kennen auch wir inzwischen die nötigen Worte in der Landessprache.

Trotzdem schaffen wir nicht alle Kinder der 8. Klasse und müssen einige unverrichteter Dinge wieder heimschicken, dabei haben wir uns nur 15 min. Lunch genehmigt und bis 18.30 Uhr gearbeitet.

Der Donnerstag verläuft ähnlich. Heute kommt Klasse 7 zur Behandlung. Bei vielen Kindern müssen 4-6 Füllungen gemacht werden und bleibende Zähne gezogen werden.

Über jede gelegte Füllung freue ich mich – Dentists bezahlt die Kinderbehandlung, so können wir in der Zeit hunderte bleibende Zähne retten. Schade um die, bei denen es schon zu spät ist. Schade auch, dass die Menschen kein Geld für Zahnregulierungen haben. So müssen bei starken Engständen gesunde Zähne extrahiert werden.

Für die Dorfbevölkerung gibt es noch immer nur Schmerzbehandlung, selten haben diese Menschen das Geld für Füllungen, für Zahnersatz schon gar nicht.

Am Freitagmorgen müssen wir erstmal warten – die Stromleitungen sind überlastet, und die Hauptsicherung hat geschmort.

Bis der Elektriker eine neue eingebaut hat, werden Zähne gezogen, dann kann wieder behandelt werden.

Beim Doktor nebenan ist „Baby-Tag“. Wir verteilen unsere Babybekleidung an die Mamas, die sich alle hübsch in Schale geworfen haben. Das ist auch am Freitag in der nächsten Woche so. Die Mamas sind sehr dankbar – am 3. Freitag sind wir dann nicht mehr da, dafür 56 Mütter mit ihren Kindern und der Hoffnung, dass es wieder Kinderbekleidung gibt – Buschfunk!

Am Freitagabend erfahren wir, dass wir unsere Patenkinder Prisca und Lilian kaum treffen können – es ist Examenszeit, und die Schule gibt ihnen nicht frei. In unserer 3. Woche haben sie Ferien. So entschließe ich mich kurzfristig, die beiden auf unsere geplante Safari mitzunehmen.



Das Wochenende ist damit frei. Wir unternehmen am Samstag mit zwei Mädchen aus der Nachbarschaft eine Wanderung zu einem „Wasserfall“. Am Nachmittag kommen, wie angekündigt, 3 weitere Frauen, die in der Schule untersuchen und mit den Kindern Prophylaxe machen wollen. Der Sonntag wird für einen gemeinsamen Ausflug zum Kakamegaforest, Kenias letztem Regenwald, genutzt. Ein schöner Ausflug und Tag!



Die neue Woche beginnt für Francis, Carmen und mich in der Dental Unit, die „Mädels“ und Lu gehen ihrem Tagewerk in der Schule nach und untersuchen die Klassen 2-4. Wir behandeln inzwischen.

Am Dienstag sind Carmen, Conny und ich in der Unit. Conny ist Zahnärztin, hat aber keine Arbeitsgenehmigung und assistiert. Francis geht mit in die Schule für die Milchzahnextraktionen.

Die Woche vergeht wie im Fluge. Ich schaffe es mit Francis, fast alle Kinder bis Klasse 5 zu behandeln, den Rest darf Francis dann selber übernehmen – er hat von Dentists einen Arbeitsvertrag für ein Jahr bekommen. Den sprechen wir gemeinsam mit Sr. Gracia durch, und ich nehme ihn zum Unterschreiben mit nach Deutschland. Francis freut sich. Lu füllt inzwischen akribisch die Schullisten aus und Peter repariert, was möglich ist. Ein Wasserfilter wird angebracht – leider reicht der Wasserdruck nicht aus, um das Wasser durch den Bakterienteil des Filters zu drücken. Ansonsten können wir richtig gut arbeiten. Der neue Kompressor hält durch, der Schalter für den Stuhl muss noch besorgt werden.



Am Donnerstagabend kommt endlich unsere Prisca.
Wir sind so glücklich über unser Wiedersehen! Gleich probieren wir die mitgebrachten Sachen und hören, was noch für die Schule benötigt wird.
Ich habe Spendengelder von meinen Patienten mit, so geht es am Freitag zum Einkaufen. Prisca, ihre Freundin Pully, Gracia und wir fahren nach Kapsabet. Dort wartet auch unser zweites Patenkind Lilian an der Matatu-Station. Ist unsere Lilly groß geworden! Die kaputten Strümpfe und Schuhe werden durch neue ersetzt, dazu gibt`s eine Schulbluse und einen vorgeschriebenen Pullover – Prisca friert in der Schule. Anschließend werden für 250€ Schulutensilien gekauft – für die Kinder besonders wichtig.

Wieder im Konvent wird Lilian mit Freizeitkleidung ausgestattet. Ein Koffer wird gesucht, denn schon morgen geht`s mit uns für eine Woche nach Sandai, einer wunderschönen Farm bei Nyeri.

Am Freitagabend ist Abschlussfest. Wir haben ein Essen für alle organisiert, es werden Reden gehalten, und es gibt Geschenke.

Die Zeit ist mal wieder viel zu schnell vergangen, am nächsten Morgen ist der Abschied von allen mit dem Versprechen, so schnell wie möglich wiederzukommen. Umarmungen, Drücken, ein paar Tränen – und schon geht`s los zum nächsten Abenteuer – die Reise nach Sandai gemeinsam mit unseren beiden Patenkindern.



In dieser Woche lernen wir unsere Prisca, die wir schon seit 2010 betreuen, und unsere Lilian (seit 2012) endlich einmal näher kennen. Für die Mädchen sind der Aufenthalt und die Safaris unglaubliche Erlebnisse – sie hatten noch nie die Gelegenheit, die Schönheit und Tierwelt ihres eigenen Landes zu sehen, sind aufgeschlossen und interessiert. Sie können riesige Essensportionen verputzen, haben echte Freude an den Safaris, auch am Swimmingpool unserer Lodge, und wir staunen, wie interessiert Prisca sich beim Besuch der Samburu-Women-Group zeigt und alles genau hinterfragt. Sie will später Medizin studieren und sich um arme Menschen kümmern, Lilian weiß mit ihren 12 Jahren noch nicht, was später einmal werden soll. Pole, pole – sagt der Kenianer – immer mit der Ruhe!

Der Freitag kommt viel zu schnell, nach einer wunderbaren Woche müssen wir schon wieder Abschied nehmen – morgens von Prisca und Lilian, die mit dem Matatu zurück nach Kapnyeberai fahren, und abends von Kenia.



Drei erlebnisreiche Wochen sind zu Ende -es werden nicht die letzten sein für uns alle! Wir möchten uns hier ganz herzlich bei unseren Patienten für die vielen Geld-und Sachspenden bedanken, die unseren Kindern und den Menschen in Kenia so viel Freude gebracht haben.

Die Firmen bekommen extra Dankschreiben für ihre Materialspenden.

Asante Sana (Herzlichen Dank)