Abschlußbericht: Einsatz Kaplomboi vom 02.08.-20.08.2010

Einsatzleistende:

Helga Hensler Zahnärztin Tel.: 05153-6202
Steffi Schmitt-Langer Zahnärztin Tel.: 0751-21133
Waltraud Schmid ZMP Tel.: 0751-21133

Wir, 2 Zahnärztinnen und eine Prophylaxehelferin, waren im August 2010 für 3 Wochen über die AZHK e.V. in Afrika. Da es für uns unser 1. Einsatz war, wurden wir auf Empfehlung von Dr. Pathe für die ganze Zeit nach Kaplomboi geschickt.
Kaplomboi liegt fast im Busch, darauf sollte man sich einstellen. Von Nairobi sind noch ca. 250km bis dorthin zurückzulegen. Die Organisation der Fahrt über P. Ikiki klappte aber sehr gut. Allerdings sollte man am Morgen losfahren, da man etliche Stunden unterwegs ist. Die letzen 25km auf unbefestigter Strassen (lt. Sr. Gracia „Bad Road“)benötigen allein 1 ½ Stunden Fahrzeit. Zu überlegen wäre über Nacht zu fliegen und morgens dann weiterzufahren. Oder ein Inlandflug bis Kisumu, und sich dort von Sr. Gracia abholen zu lassen.
In Deutschland hatten wir erfahren, dass vor uns ein anderes Zahnarztteam vor Ort ist und wir eine Woche zusammen arbeiten sollten. Dies hat sich im Nachhinein als nicht effektiv erwiesen. Es gibt nur eine Zahnarzteinheit, der dort anwesende „Zahnarzt“ soll angelernt werden und für 7 Leute ist es zu eng. Außerdem erweisen sich die Wohnverhältnisse zu sechst als sehr eng und schwierig. Unser Glück war, dass wir 6 Frauen waren. Es ist zwar alles vorhanden und wir wurden liebevollst betreut, sodass es uns oft schwerfiel, soviel Entgegenkommen anzunehmen, aber die Dusche funktionierte nur als „Eimerdusche“ und die Toilette mit „Handspülung per Duschwasser“.
Wir wurden von Maggy und Milli verwöhnt, sie füllten täglich unser Wasserfass auf, machten auf offener Feuerstelle heißes Duschwasser, wischten den Boden und bereiteten die Mahlzeiten. Wir aßen für dortige Verhältnisse königlich, aber selbst in der Regenzeit sind das Wasser und die Lebensmittel knapp. Aller Luxus (Nesskaffee, Trinkwasser, Kakao, Margarine, Schokolade, Kekse, Bier und Alkohol ect. ) sollten besser von Nairobi mitgebracht werden. Die nächste Einkaufsmöglichkeit für diese Dinge und auch Geldtausch bedeuten einen Tagesausflug. Kenianische Schillinge sind dort die beste Währung.

Waldi füllte unsere Vorräte auf, als die 15 Waisenkinder, die für 2 Wochen in der Mission Ferien machten, wieder zurückgebracht wurden. 18 Menschen + Gepäck von 15 Kindern passten in ein Auto mit 8 normalen Sitzplätzen. Da es auf der Heimfahrt auch noch regnete, steckten sie zu guterletzt auf der „Bad Road“ fest und mussten aus dem Schlamm ausgegraben werden. Für Afrika „Hakuna matata“ (No problem!).

In der 1.ruhigen Woche räumten wir ein Tag die Praxis auf, überprüften das vorhandene Material und füllten die Bestände mit unseren mitgebrachten Sachen auf. Vorsicht Selbstbedienung! Was man unbedingt für sich benötigt, nicht in der Praxis lassen. Auch Silvestre ( Geburtshelfer der medizinischen Station) verwöhnt seine Patienten mit unseren Spielsachen und Zahnbürsten und benötigt z.B. Handschuhe.

So richtig zum Arbeiten kamen wir ab der 2. Woche und dann auch bis zum letzen Einsatztag. Nach unserem 1. Mobile in einer Schule ca. 8km von der Mission entfernt, kamen von dort täglich ganze Schulklassen zur Behandlung. Zahnextraktionen und Füllungen sind die Hauptarbeit. Nebenbei wird die dortige Bevölkerung betreut. Die Menschen kommen nur mit Zahnschmerzen und damit meist nur zu Extraktionen, da sie sich die Behandlung ansonsten nicht leisten können. Die Bezahlung der Behandlung gehört überdacht, 2,50€ für 1 Zahnextraktion ist für viele nicht zu bezahlen, sodass wir teilweise die Behandlungskosten übernahmen, um Schmerzpatienten nicht abweisen zu müssen. Auf unserem 2. Mobile über 2 Tage behandelten wir vorwiegend die Landbevölkerung, die schon auf uns wartete. Wir haben noch nie so viele Zähne in so kurzer Zeit gezogen, und das auf Küchenstühlen mit Stirnlampen (Hakuna matata).
Die Menschen waren uns endlos dankbar, wir wurden umarmt und auch mal mit Eiern beschenkt.

Wir erlebten die Kinder und Erwachsenen als geduldige und ausgesprochen tapfere Patienten. Die Kinder warteten teilweise Stunden ohne Essen und Trinken, kamen zu Fuß und mussten so wieder heim (z.B. mehreren Extraktionen). Sie waren offen für Prophylaxeerklärungen und diverse Spiele, Waldi klebte fleißig Tatoos.
Zu unserer Zeit war als „Zahnarzt“ ein ausgebildeter Zahntechniker vor Ort, der fleißig Zähne zog und selbstständig Füllungen legen konnte. Wir arbeiteten möglichst viel mit ihm zusammen und auch seine Helferin Irin machte ihre Arbeit hervorragend. Ihre liebevolle Art mit Kinder zu kommunizieren half uns sehr. Auch konnten so die Sprachschwierigkeiten gut überwunden werden.

In der Arztstation war ein reger Patientenverkehr. Malaria, Hepatitis, Typhus, Meningitis, Aids u.a. waren die am häufigsten behandelten Krankheiten. Die Ausstattung der med. Station ist mehr als dürftig, sowohl technisch als auch vom Medikamentenbedarf. In unserer Zeit wurden auf der Geburtsstation 3 Babys entbunden. Es gibt keinerlei Ausstattung, weder Blutdruckmessgerät, kein vernünftiges Mikroskop, kein Blutzuckermessgerät…
Hier wäre unbedingt Unterstützung angebracht, (Material- und Arzthilfe). Auf uns machte Silvestre einen sehr zuverlässigen Eindruck. Er fühlt sich wohl in Kaplomboi und wird auch dort noch länger arbeiten. Er freut sich sehr über sein neues bescheidenes Wohnhaus (bessere Holzhütte) mit eigenem Zimmer, das gerade in der Bauphase ist.

Sr. Gracia erweist sich als Allround Künstler. Ob Kirche, neue Wasserpumpe, Wohnhaus, oder 15 Waisenkinder, sie ist überall. Uns gefiel, dass sie so viele Menschen aus der unmittelbaren Umgebung mit einbezog und beschäftigte. Sie ist der „Motor“ der Missionsstation, gefolgt von Father Samuel.

Aus Waldis Tagebuch: „ Wieder ein neuer Tag und wie jeder Tag beginnt auch dieser mit Sonnenschein (manchmal mit Kindergesang aus der Kirche). Nun habe ich das Gefühl, mich richtig gut eingelebt zu haben. Es ist auch so schön zu spüren, dass die Menschen einen so richtig angenommen haben“.

Das durften wir täglich erleben. Am Anfang mit unseren 15 Waisenkindern aus Tansania, zu den Gottesdiensten am Sonntag und bei Besuchen der Bevölkerung mit unserem Father oder Silvestre. Aber auch beim joggen am Abend wurden wir bestaunt und nach wenigen Tagen herzlichst erwartet. Die Kinder rannten barfuss ein Stück mit, dabei ihre zu transportierenden Lasten auf dem Kopf.

Zum Abschluss bleibt für uns zu sagen: Es war die bisher intensivste Reise unseres Lebens. Wir haben das Gefühl, mehr bekommen zu haben als wir geben konnten.
Wir haben ein neues Patenkind und echte neue Freunde.
Wir kommen wieder!